Die Sinneswandel gGmbH gibt es seit 2007. Sie ist eine Ausgründung der Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen in Berlin e.V. (GFGB) und wurde ins Leben gerufen, um die pädagogischen Arbeitsbereiche vom Gehörlosenzentrum zu trennen. Die Bereiche Betreutes Wohnen, Ergänzende Förderung und Betreuung an der Ernst-Adolf-Eschke-Schule sowie den Kinder- und Jugendclub gab es bereits in der GFGB. Dazu gekommen sind 2009 SprungBRETT in Ausbildung und Arbeit, 2013 unsere bilinguale Kita und 2015 der Schülerzirkel an der Reinfelderschule. Derzeit hat Sinneswandel rund 200 gehörlose und hörende Mitarbeitende, die in gemischten Teams zusammenarbeiten. Die Sinneswandel gGmbH wird geleitet von Vera-Kristin Kögler (Pädagogische Leitung) und Iris Bonowsky (Kaufmännische Leitung).
Hier stellt sich Iris Bonowsky mit ihrer Namensgebärde vor:
Iris Bonowsky
Geschäftsführerin, Kaufmännische Leitung
Hier stellt sich Vera-Kristin Kögler mit ihrer Namensgebärde vor:
Vera-Kristin Kögler
Geschäftsführerin, Pädagogische Leitung
Mehr Informationen zu den einzelnen Arbeitsbereichen finden Sie hier:
Die Angebote konzentrieren sich zum Einen auf gehörlose und hörgeschädigte Erwachsene mit zusätzlicher Behinderung und zum Anderen sprechen sie gehörlose und hörgeschädigte Kinder und Jugendliche an. Dabei ist die Sinneswandel gGmbH der traditionell emanzipatorischen Grundhaltung der Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen verpflichtet und entwickelt zudem in einem ständigen Prozess ihr Angebotsspektrum zeitgemäß weiter. Die von uns betreuten Klient_innen sind Teil der Gehörlosengemeinschaft und ihrer Kultur.
Was alle Barrieren gemeinsam haben, ist ihr Exklusionspotential.
Sie hindern Betroffene an der gesellschaftlichen Partizipation, während sich viele Privilegierte oftmals ihrer Existenz kaum bewusst sind.
Dies trifft auch auf Barrieren zu, die in der Kommunikation auftreten (vgl. Husel, 2022: 13f.)
Barrierereduzierte Kommunikation umfasst alle Maßnahmen zur Eindämmung von Kommunikationsbarrieren.
Kommunikationsbarrieren können etwa mit Blick auf die Sinnesorgane und/oder die kognitiven Voraussetzungen der Kommunizierenden bestehen.
Im Kontext Schwerhörigkeit und Taubheit bedeutet barrierereduzierte Kommunikation also unter anderem direkte Kommunikation in Gebärdensprache, den Einsatz von Gebärdensprach-/ Lautsprachdolmetschenden, (technischen) Hilfsmitteln, taktilen und lautsprachbegleitender Gebärden und vielen anderen Kommunikationsformen, je nach Wunsch des Gegenübers.
So kann eine respektvolle und wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe sichergestellt werden.
Literatur:
Husel, Elena: Leichte Sprache in der Bundesverwaltung. Was? Wer? Wie? , Frank & Thimme GmbH: Berlin: 2022.
Internetquellen:
Barrierefreie Kommunikation: Bundesfachstelle Barrierefreiheit:Neuer Studiengang: Barrierefreie Kommunikation. Online veröffentlicht am 16.07.2018. Verfügbar unter: Link, Zugriff am 14.11 2024.
Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist seit 2002 in Deutschland eine anerkannte Sprache.
Sie hat ein eigenes Sprachsystem, dass sich komplett von der deutschen Lautsprache unterscheidet.
Es gibt über 300 verschiedene Gebärdensprachen weltweit und unzählige Dialekte.
Zudem gibt es eine Internationale Gebärdensprache, für die Verständigung zwischen Tauben Menschen aus unterschiedlichen Ländern zu ermöglichen.
International Sign wird z.B. bei internationalen Veranstaltungen wie Konferenzen, Treffen oder Kulturevents genutzt.
International Sign ist keine formelle Sprache mit festen Regeln und Grammatik, sondern ein Hilfsmittel für die Verständigung auf internationaler Ebene.
International Sign bedient sich verschiedener Elemente aus verschiedenen Gebärdensprachen.
Internetquellen:
International Sign Definition: World Association of Sign Language Interpreters (WASLI):International Sign. Online verfügbar unter:Link , [Zugriff am 14.11.2024].
DGS (Deutsche Gebärdensprache): Diversity Arts Culture:Deutsche Gebärdensprache (DGS). Online verfügbar unter:Link, [Zugriff am 14.11 2024].
Die sozialraumorientierte Arbeit zielt auf die Gestaltung und Modifizierung sozialer Räume mit der Absicht, den Assistenznehmenden eine aktive Mitgestaltung ihrer Lebensverhältnisse zu ermöglichen (vgl. Hinte/Treeß 2007: 30).
Im Zentrum des Ansatzes steht die Stärkung gemeinwesenbezogener Formen des Zusammenlebens. Durch die Förderung sozialer Netzwerke und Kooperationen werden Ressourcen gestärkt und die Lebensqualität der Menschen nachhaltig verbessert.
Internetquelle:
Sozialraumorientierung und Interkulturalität i.d. Sozialen Arbeit: Straßburger, Gaby / Süzen, Talibe: Sozialraumorientierung und Interkulturalität in der Sozialen Arbeit. Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2012 (WISO Diskurs, Nr. 2012,08). Online verfügbar unter: https://library.fes.de/pdf-files/wiso/09838.pdf, [Zugriff am 14.11 2024].
Selbstbezeichnung: Die Selbstdefinition von Menschen mit einer Hör-Behinderung ist unterschiedlich und vielfältig.
Wir verwenden die Begriffe Taub und schwerhörig und verweisen darauf, dass nicht alle Menschen mit Hör-Behinderung sich selbst so bezeichnen würden. Siehe dazu auch Umfrage innerhalb des Trägers (Link zum Kreisdiagramm).
Um einen respektvollen Umgang zu ermöglichen, sollte immer erfragt werden, wie Taube Menschen genannt werden wollen und welche Kommunikationsmittel sie bevorzugen.
Internetquelle:
Taub
Taub ist eine positive Selbstbezeichnung von Menschen mit einer Hörbehinderung, unabhängig davon, ob sie taub, resthörig oder schwerhörig sind. Taub als Selbstbezeichnung und emanzipatorischer Identitätsbeschreibung wird im Gegensatz zum reinen Hörstatus mit einem großen T geschrieben (siehe Deafhood nach Ladd 2008, 2019).
Damit wird auch gezeigt, dass Taubheit nicht als Defizit angesehen wird. Es handelt sich hierbei um die Wiederaneignung eines Begriffes, der lange Zeit als abwertende Beschreibung verwendet wurde (reclaiming). Einige Menschen der Tauben Community verwenden das Wort ’Taub‘ für sich, weil es im Gegensatz zum Begriff ‚gehörlos‘ nicht schon im Wort selbst einen Mangel (‚-los‘) benennt.
Internetquelle:
Gehörlos
Der Begriff der Gehörlosigkeit wird sowohl in medizinischen Zusammenhängen als auch als emanzipatorische Selbstbezeichnung verwendet.
Für viele gehörlose Menschen bedeutet der Begriff wesentlich mehr als Hörverlust und daraus resultierende Folgen. Die Bezeichnung gehörlos wird hier im kulturellen Sinn verstanden: „Gehörlos ist, wer vorzugsweise in Gebärdensprache kommuniziert und sich der Gebärdensprachgemeinschaft und ihrer reichen Kultur zugehörig fühlt“ (Deutscher Gehörlosenbund e.V.: 2008).
Internetquelle:
Hörstatus: Medizinische Definition Gehörlos/Schwerhörig/Spätertaubt
Als gehörlos werden diejenigen Menschen bezeichnet, die ohne Gehör oder mit einem nur geringen Restgehör geboren wurden oder das Gehör noch vor dem Lautspracherwerb verloren haben.
Sind die vorhandenen Hörfähigkeiten ausreichend, um Lautsprache weitgehend zu erlernen, gilt der oder die Betreffende als schwerhörig.
Lautsprache wird über das Ohr aufgenommen.
Das Absehen vom Mundbild kann dabei die Sprachwahrnehmung unterstützen.
Es gibt drei Stufen der Schwerhörigkeit: leichtgradige, mittelgradige und hochgradige Schwerhörigkeit.
Wer erst nach dem Spracherwerb und nach dem Erreichen einer gewissen Stufe der Lautsprachentwicklung durch Krankheit oder Unfall ertaubt, zählt zu den Spätertaubten.
Die medizinische Definition und Selbstdefinition von Menschen mit einer Hör-Behinderung können voneinander abweichen. Siehe Selbstbezeichnungen.
Internetquelle:
Hörbehinderung
Unter einer Hörbehinderung versteht man eine Funktionsstörung oder einen kompletten Funktionsausfall des Gehörs. Von einer Hörbehinderung wird gesprochen, wenn das Hörvermögen deutlich von der Norm abweicht. Je nachdem, wie stark die Abweichung ist, handelt es sich um eine mittlere, starke oder hochgradige Hörbehinderung bzw. Resthörigkeit.
Der Begriff Hörbehinderung dient also vor allem medizinischer Klassifikation. Im Gegensatz zu Hör-Behindert.
Wir verwenden die Schreibweise Hör-Behinderung (Menschen mit Behinderung (13)) um aufzuzeigen, dass der Hörstatus an sich nicht die Behinderung darstellt, sondern die Behinderungen/ Barrieren von der hörenden Gesellschaft produziert werden.
Internetquelle:
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Ally, plural Allies, aus dem Englischen bezeichnet Verbündete bzw. Unterstützer*innen.
Sie sind reflektierte privilegierte Menschen, die die unterdrückte Personengruppen wie z.B die Taube Community unterstützen (vgl. Göhler 2021).
Insbesondere für unsere hörenden Mitarbeitenden bedeutet dies, die eigenen Privilegien zu reflektieren und eine solidarische Haltung mit Tauben Menschen einzunehmen: „Allyship ist eine aktive, konsequente und anstrengende Praxis des Verlernens und Neubewertens, bei der eine Person in einer privilegierten und machtvollen Position versucht, in Solidarität mit einer Randgruppe zu handeln.
Allyship ist keine Identität – es ist ein lebenslanger Prozess des Aufbaus von Beziehungen auf der Grundlage von Vertrauen, Beständigkeit und Verantwortlichkeit mit marginalisierten Einzelpersonen und/oder Gruppen von Menschen“.
Ein wichtiges Element des Allyship ist das Powersharing.
Powersharing ist etwas, dass Menschen tun können, wenn sie von gesellschaftlichen Ungleichheiten profitieren.
Powersharing heißt übersetzt: Macht oder Einfluss teilen.
Die abwertende und diskriminierende Haltung gegenüber Tauben Menschen wird Audismus genannt.
Die Marginalisierung von Gebärdensprache wird Linguizismus genannt.
Marginalisierung bezeichnet die Verdrängung von Individuen oder Bevölkerungsgruppen oder einer Sprache an den Rand der Gesellschaft
Internetquellen:
Eine der besten Beschreibungen von Allyship. Klar und Verständlich. [Ga1]
Empowerment bedeutet Ermächtigung.
In Empowerment-Prozessen werden hierarchische oder paternalistischen Ebenen verlassen und die vorhandenen Stärken und Ressourcen der Menschen gesucht und betont.
Ergebnisse gelungener Prozesse sind die Aufhebung von Ohnmacht und ein gestärktes Selbstbewusstsein, sowie die Aufklärung über persönliche (Menschen-/) Rechte.
Durch einen Peer-to-Peer-Ansatz kann eine Identifikation und Vorbildfunktion von Tauben für Taube gewährleistet werden[1].
Literatur:
Link:
[1] Empowerment-Arbeit: Teilhabe an Kleinkunstfestival, Kulturtage, Jugendfestival, Organisation von Fachtagung Fit im Beruf für Taube Fachkräfte in den sozialen Bereichen, Weiterbildungsangebote für Fachkräfte, Assistenznehmenden, WG-Rat, Kommunikationstaktik etc.
Die Eingliederungshilfe ist eine (Assistenz-) Leistung des Sozialrechts.
Aufgabe der Eingliederungshilfe ist es, Personen, die durch eine Behinderung wesentlich in ihrer Fähigkeit, an der Gesellschaft teilzuhaben, eingeschränkt oder von einer solchen wesentlichen Behinderung bedroht sind, eine individuelle Lebensführung zu ermöglichen.
Die Eingliederungshilfe soll Menschen dazu befähigen, ihre Lebensplanung und -führung möglichst selbstbestimmt und eigenverantwortlich wahrnehmen zu können (§ 90 Abs. 1 SGB IX).
Internetquelle:
Assistenznehmende sind Menschen, die persönliche Dienstleistungen für ihr individuelles Lebensführung in Anspruch nehmen.
Die Dienstleistungen werden an ihre Hintergründe, Bedürfnisse und Lebenssituationen angepasst.
Internetquelle:
Inklusion will auf die gleichberechtigte (und selbstbestimmte) Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben hinaus.
Dies kann durch die Schaffung entsprechender institutioneller und alltagspraktischer Voraussetzungen erreicht werden.
Inklusion meint also die unbedingte Einbeziehung und Zugehörigkeit aller Menschen – unabhängig von bestimmten Merkmalen – zu sozialen und gesellschaftlichen Institutionen.
Solche Institutionen sind z.B. das allgemeine Bildungssystem, der erste Arbeitsmarkt, es können aber auch Einrichtungen wie Freibäder oder Theater sein, die allen offenstehen sollen.
Community bezeichnet im Kontext der Diversitätsentwicklung eine (politische) Interessensgemeinschaft, in der Menschen zusammenfinden, die Diskriminierungserfahrungen teilen.
Die Community ist durch ein positives Wir-Gefühl, beziehungsweise den Bezug auf eine positive Gruppenidentität verbunden.
Im Falle Tauber Menschen die Taube Community.
Die Taube Community ist eine Interessengemeinschaft, in der sowohl Taube* Menschen, als auch Allies zusammenfinden.
Daraus folgend besteht sie aus Personen, die Diskriminierungserfahrungen aufgrund ihres Status (Taubheit/Taubsein), wie auch Menschen, die Privilegien aufgrund ihrer hörenden Sozialisierung erfahren.
Gemeinsamer Nenner ist dabei die Sprache.
Das wird auch als positive Gruppenidentität verstanden (vgl. Ladd, 2008 & 2019).
Die Taube Community [1] ist eine sprachliche und kulturelle Gruppe:
In der eine eigene Sprache, kulturelle Normen, Kulturproduktionen und gemeinsame Erfahrungen geteilt werden (vgl. Uhlig 2021: 360).
Die Ethnologin Anne C. Uhlig nennt in ihrer „Ethnographie der Gehörlosen“ (2021) zudem eine gemeinsame Geschichte, ein eigenes Benennungs- und Wertesystem sowie die spezifische Konstruktion ihres Selbst (Identitätsbildung).
Literatur:
Internetquellen:
[1] Straßenfest, Bildungsangebote in der Kooperation mit der Landeszentrale für politischen Bildung, Vernetzung von diversen Tauber Fachkräfte aus ganz Deutschland zu verschiedene Themen wie Sexualität, Taubenspezifische Veranstaltungen, Vernetzung zur Aufklärung und Prävention zum Thema Gewalt, etc.
Eine diskriminierungssensible Gesellschaft ist eine Gesellschaft, die achtsam ist in Bezug auf Ungleichbehandlung verschiedener Menschen und Gruppierungen und die danach strebt, diese Ungleichbehandlung zu reduzieren.
Statt von einer barrierefreien Gesellschaft sprechen wir von einer von Barrieren reduzierten Gesellschaft.
Barrierefreiheit steht für ein Fehlen von Hindernissen jeglicher Art (vgl. Wunsche 2016, S. 194).
Eine solche, vollständige Barrierefreiheit ist jedoch lediglich ein Idealzustand.
Das Bemühen von Barrierereduktion ist ein ständiger Prozess.
Mitunter wirken sich optimierende Eingriffe bei bestimmten Barrieretypen negativ auf andere Barrieretypen aus.
Daher haben wir uns für den Begriff der Barrierereduktion entschieden:
Der Begriff umfasst die Notwendigkeit, die Bedarfe einer konkreten Zielgruppe stets neu zu ermitteln, um Barrieren optimal zu reduzieren (vgl. Husel 2022, S. 13).
Literatur:
„Behinderung“ ist eine neutrale Bezeichnung und wird vom Großteil der Menschen mit Behinderungen als Selbstbezeichnung verwendet.
Wir wollen Behinderung jedoch als eines von vielen Merkmalen einer Person zeigen.
Deswegen verzichten wir auf Ausdrücke wie „der/die Behinderte“, die Personen auf ihre Behinderungen reduzieren.
Wir sprechen von Menschen mit Behinderungen, Jobsuchenden mit Behinderungen, Mitarbeiter*innen mit Behinderungen.
Die Formulierung „Menschen mit Behinderung“ hat zudem den Vorteil, dass sie nicht festschreibt, dass der Mensch selbst behindert sei.
Mit dieser Begriffswahl wollen wir betonen, dass Menschen durch die nichtbehinderte Dominanzgesellschaft be-Hindertwerden.
Internetquellen:
Sinneswandel – Förderung gehörloser und hörgeschädigter Menschen in Berlin gGmbH hat das Berliner Transparenzlogo erhalten und ist unter der Registrierungs-Nr. hrb_105058 in der Transparenzdatenbank eingetragen.
